Empfehlungen zur Einführung und zum Betreiben eines Frühwarnsystems zur Detektion sich unbemerkt verschlechternder erwachsener Patienten

Als Folge des Kostendrucks in der Gesundheitsversorgung müssen Spitäler immer mehr sparen, was sich häufig in knappen Personalressourcen und kürzeren Aufenthaltsdauern niederschlägt. Internationale Studien stellen fest, dass die Versorgung stationärer Patienten auf peripheren Bettenstationen in Notfallsituationen und vor einer Verlegung auf die Intensivstation häufig suboptimal verläuft.

Patienten, welche für eine medizinische Behandlung in ein Spital eintreten, betreten in ihrem Glauben einen Ort an dem ihr gesundheitlicher Zustand im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Sie vertrauen zu Recht darauf, dass sie eine effektive Behandlung erfahren und bei einer Verschlechterung ihres Gesundheits-zustandes frühzeitig Massnahmen zur Stabilisierung und Verbesserung ergriffen werden.

So gewinnt die zu spät bemerkte oder sogar unbemerkte Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines Patienten eine immer grössere Bedeutung für die Patientensicherheit. Den innerklinischen Todesfällen und ungeplanten Verlegungen auf die Intensivstation geht häufig eine langsam progrediente Verschlechterung des Patienten voraus, die vom medizinischen Personal erkannt werden müsste. Klinische Parameter und Symptome einer physiologischen Instabilität zeigen sich bereits einige Stunden vor der Verschlechterung und mit Hilfe messbarer Kriterien können Veränderungen der Basisparameter und damit eine potenzielle Gefährdung des Patienten erkannt werden. Meist wird jedoch erst ein Alarm ausgelöst, wenn sich die Situation zuspitzt und Gefahr für das Leben des Patienten droht. Ein Teil dieser potenziell vermeidbaren Zwischenfälle umfasst den akuten Herz-Kreislauf-Stillstand, den Myokardinfarkt, die Lungenembolie, den Schlaganfall sowie ungeplante Aufnahmen auf die Intensivstation wegen schwerer Sepsis oder Organversagens.

Mit einem Frühwarnsystem können Patienten mit sich kritisch verschlechterndem Gesundheitszustand auf einer Bettenstation frühzeitig erkannt und somit rasch adäquate Massnahmen eingeleitet werden.

Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz misst der unbemerkten Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Patienten auf Bettenstationen grosse Bedeutung bei. In Schweizer Spitälern nahezu unbekannt, zählen systematisch angewandte Frühwarnsysteme in Australien und Grossbritannien schon seit Ende der 90er Jahren als unverzichtbar bei der Beurteilung sich anbahnender akuter Verschlechterungen von Patienten auf Bettenstationen.

Das von der Stiftung Patientensicherheit Schweiz durchgeführte Praxisprojekt zielte auf den Transfer eines validierten Instruments zur Früherkennung in den lokalen Kontext eines Schweizer Spitals und den dafür erforderlichen Anpassungen und Erfahrungen ab. Es beinhaltete die Durchführung von drei aufeinander folgenden Projektphasen um die Ergebnisse und Erfahrungen in die Entwicklung von Empfehlungen zur systematischen Anwendung eines Frühwarnsystems einfliessen zu lassen:

  • Modul 1: schriftliche Befragung der Chefärzte medizinischer und chirurgischer Kliniken aller Schweizer Spitäler in Bezug auf ihre Einstellungen und Haltungen gegenüber Instrumenten zur Früherkennung sich unbemerkt verschlechternder Patienten auf Bettenstationen
  • Modul 2: Praxistest in einem Schweizer Spital: systematische Anwendung eines validierten Instruments zur Früherkennung
  • Modul 3: Durchführung von Fokusgruppen-Interviews über die Erfahrungen bei der Implementierung und systematischen Anwendung des ausgewählten Instruments zur Früherkennung
  • Modul 4: Entwicklung von Empfehlungen für die Implementierung und systematische Anwendung eines Frühwarnsystems für akutstationäre Einrichtungen in der Gesundheitsversorgung der Schweiz

Die vorliegenden Empfehlungen basieren auf

  • internationalen Empfehlungen,
  • den Ergebnissen der schriftlichen Befragung der Chefärzte/Chefärztinnen medizinischer und chirurgischer Kliniken aus Schweizer Spitälern,
  • den Ergebnissen aus den Fokusgruppen-Interviews nach der praktischen Anwendung in einem Schweizer Spital und
  • der Fachexpertise verschiedener Fachpersonen aus der klinischen Praxis.



Beteiligte Fachpersonen und Finanzierung

Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz bedankt sich beim Luzerner Kantonsspital, ohne dessen Engagement der Test eines Instruments zur Früherkennung sich unbemerkt verschlechternder Patienten nicht hätte durchgeführt werden können.

Nicht weniger Dank gilt den Fachexperten, welche sich bei der Entwicklung der praktischen Empfehlungen engagiert haben, um ihre Praxiserfahrungen miteinfliessen zu lassen.

Der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW) sei für die Finanzierung dieses Praxisprojekts gedankt.




Empfehlungen

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Kontakt

Dr. Olga Frank
Leiterin Projekte, Produkte, Dienstleistungen
Tel. +41 (0)43 244 14 84
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