Speak up: Sicherheitsbedenken ansprechen

Bei der Analyse von Fehlern in der Medizin zeigte sich, dass es immer wieder Situationen gibt, bei denen ein Teil der Beteiligten realisierte, dass ein Risiko bestand, sich aber nicht äusserte oder nicht gehört wurde: Wenn jemand im Raum war, der wusste, dass es nicht gut läuft, ist es für alle Beteiligten besonders tragisch. Deshalb wollte die Stiftung etwas tun. Patientensicherheit Schweiz hat das Thema im Rahmen eines Forschungsprojekts für die Schweiz aufgearbeitet. Vom Februar 2013 bis April 2014 wurde dazu eine von der Krebsforschung Schweiz finanzierte Studie zum Thema «Kommunikation von Sicherheitsbedenken in der Onkologie» durchgeführt, die qualitative Interviews und eine schriftliche Befragung beinhaltete.

Studie über Sicherheitsbedenken in der Onkologie

  • Die Ergebnisse zeigen, dass Mitarbeitende beider Berufsgruppen häufig Situationen erleben, die Nachfragen, Hinweise und Abklärung erfordern. Ärzte und Pflegende benutzen oft non-verbale Kommunikation wie Gesten und Mimik um Kollegen auf Sicherheitsregeln und -bedenken hinzuweisen (zum Beispiel das Reichen eines Mundschutzes ohne zu verbalisieren.
  • Die Berichte der Spitalmitarbeitenden zeigten deutlich, dass es in der Onkologie eine gut etablierte Kultur zur Kommunikation in Bezug auf die Medikationssicherheit gibt (z.B. Unklarheiten oder Fehler bei Verordnungen). Im Gegensatz dazu existieren aber auch Bereiche, in denen das Ansprechen von Sicherheitsbedenken deutlich schwerer fällt. Verletzungen von Sicherheitsregeln oder –standards im Bereich der Hygiene, der Isolation, bei invasiven Prozeduren aber auch Zweifel an Behandlungsentscheiden werden oft nicht ausgesprochen.
  • Viele Mitarbeitende berichten, dass es oft schwer ist, den „richtigen Ton in der richtigen Situation“ zu treffen. Gerade jüngere und tieferrangige Mitarbeiter wägen genau ab, ob und wie sie Kollegen oder Vorgesetzte auf einen Fehler oder ein Risiko hinweisen und halten Bedenken häufig zurück. Der Motivation, die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten, steht die Sorge gegenüber, soziale Beziehungen zu gefährden, Kollegen blosszustellen, die Reaktion des Gegenübers nicht abschätzen zu können, oder Patienten zu verunsichern.
  • Die Kultur in der jeweiligen Abteilung ist ein wichtiger Faktor, der das Schweigen über Sicherheitsbedenken erklärt. Aus den umfangreichen Ergebnissen der Untersuchung lassen sich viele konkrete Hinweise für Verbesserungen der Patientensicherheit in der Praxis ableiten. Insbesondere zeigt die Studie, wie wichtig Kommunikationsfähigkeiten zur Gewährleistung der Patientensicherheit sind. Idealerweise können Fachpersonen multiprofessionell in kurzen zielgerichteten Trainings lernen und verabreden, wie sie sich gegenseitig auf Situationen und Gefahren hinweisen, die die Patientensicherheit gefährden.
 

Kontakt

Prof. Dr.
David Schwappach, MPH
Leiter Forschung und Entwicklung
stv. Geschäftsführer
Tel. +41 (0)43 244 14 80
E-Mail



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Aufgrund der grossen Nachfrage steht  die Pocketcard Speak Up nach wie vor zur Verfügung.

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